Post N°8 aus Bali

Denpasar - Bali - Garuda Wisnu Monument - März 2020

 

Die hinduistischen Balinesen glauben, dass Wisnu (anderswo als Vishnu bekannt) der Bewahrer und Beschützer des Universums ist. Er kämpft gegen zerstörerische Kräfte, wenn diese drohen, in ein Chaos auszuufern, und kommt, um das kosmische Gleichgewicht wiederherzustellen. Der mythische Vogel Garuda symbolisiert hingegen Geschwindigkeit, Kraft und Kampfgeist.

 

Adek Adek, Kakak kakak tercinta = Liebe Brüderchens und Schwesterchens,

eigentlich wollte ich über ein anderes, ganz leichtes Thema schreiben, aber an Tagen wie diesen steht die Welt Kopf. Die First World hat sich krankgemeldet. Ein unbekannter, nicht ungefährlicher Virus namens Corona und plötzlich tragen Europäer Atemschutzmasken, kaufen Dosenfutter, das ein oder andere extra Sixpack Toilettenpapier und Großveranstaltungen werden abgesagt. Die First World hat jetzt ein Dritte Welt Problem und für die Dritte Welt ist Corona sekundär.
Zeit, für einen kühlen Kopf.
Uns und unseren Lieben geht es Gott sei Dank gut.


Wir haben vier Theorien, warum Corona vermutlich noch nicht in Bali gemeldet ist:
Erstens. Die Mehrheit der Indonesier geht wegen Fieber und Husten nicht zum Arzt. Kann also gut sein, dass das Virus längst hier ist, nur keiner weiß es.
Zweitens. Es sind deutlich radikalere Viren hier, so dass viele Menschen hier möglicherweise immun gegen Corona sind.
Drittens. Die Regierung registriert keine Corona Fälle, um keine Panik auszulösen, was sich desaströs auf die Wirtschaft und den Tourismus auswirken könnte.
Viertens. Die Götter halten Corona von der Insel fern.


Wir haben die verblüffendsten Reaktionen zum Thema Corona bekommen. Die meisten beten. Der Glaube ist eine verlässliche und beständige, jedoch unsichtbare Orientierung in einem Land, in dem nichts sicher ist.


Mir gefällt diese unsichtbare Welt. Ein beruhigendes Gefühl, nicht alles in der Hand zu haben, sondern umgeben zu sein von kosmischen Kräften, die die Einheimischen hier täglich mit Opfergaben im Gleichgewicht halten.


Jeden Morgen und jeden Abend bringt die Tochter unserer balinesischen Nachbarn aus Palmblättern geflochtene kleine Körbchen mit Blumen, Reis und manchmal auch den ein oder anderen, in Plastik verpackten Bonbon, einen Keks oder eine Zigarette und zündet während ihres Gebets ein Räucherstäbchen an. Ein Körbchen legt sie an den Eingang vom Haus und das andere in den Haustempel. Jedes Haus verfügt über einen eigenen Haustempel oder einen geweihten Schrein als Aufenthaltsort göttlicher Wesen.


Manch ein Westler mag das für einen naiven Aberglauben halten, irrig, unvernünftig, sogar falsch. Ich frage mich, ob nicht jede Religion ein bisschen Aberglaube ist und ich frage mich, warum das Kruxifix mich als getaufter Firmling nicht in diesem Maße berührt. Vielleicht, weil es mit dem Tod verbunden wird, mit einem Leiden, mit einer einzigen Person, die eine große Last tragen muss. Wie phantasievoll ist der hinduistische Glauben dagegen, der den Menschen ausliefert in ein Universum voller Magie, meinetwegen auch Aberglaube genannt.
Stevie Wonder besingt Aberglaube in einem seiner ersten Hits - Superstition - und warnt vor den negativen Effekten und ich gebe ihm Recht. (Aber)Glaube darf keine Angst machen und nicht die Entschuldigung und Ausrede und der Grund für alles sein, genauso wenig wie Jesus für alles schuldig ist, oder Mutter Maria, Buddha, Allah, dieser Gott und jene Göttin. Religion gibt lediglich Hoffnung und Vertrauen in deinem Glauben daran, dass so, wie es war, ist oder kommt, es okay ist.


Und in diesem Flow bewegen wir uns hier. Warum nicht auch einfach täglich etwas in die Opfergaben werfen, fünfmal nach Mekka beten, den kleinen Buddha samt Papierengel in den Haustempel stellen und das Kruxifix über Mutter Maria und neben Saraswati aufhängen, die Göttin der Weisheit?
Einheit in der Vielfalt.


Wir zwingen uns hier, unseren Ängsten ins Gesicht zu schauen und sind dadurch bereit für das Gute und das Schlechte. Die Zeit hier ermutigt, mehr Fragen zu stellen, tolerant zu sein, achtsam und nicht ängstlich. Aber das allerwichtigste - die Erfahrungen und Erlebnisse hier nehmen uns die Angst vor dem Unbekannten, vom Unbeherrschbaren. Auch beim Case Corona spielt meiner Meinung nach die Angst vor dem Unbekannten und Unbeherrschbaren eine große Rolle.


Es ist leider nicht unwahrscheinlich, dass möglicherweise eine große Anzahl oder auch nur ein einziger Westler hier in Zukunft an Corona erkrankt und wenn das die Öffentlichkeit dann erfährt, dann wird es hier sicher ungemütlich und dann ist Bali null vorbereitet auf eine Epidemie oder Pandemie und dann sind die Ärzte die ersten, die sich infizieren und dann...ach, egal. Nein nicht egal...Dann ziehen wir in den Nordosten von Bali. Da ist keine Sau. Oder nach Sumba, angeblich das neue Bali. Irgendwohin, wo die Welt noch nicht erkrankt ist - und ihr kommt alle nach. Aber vielleicht ist 'Schland bis dahin längst wieder gesund.
Denn gerade Europa und vor allem auch Deutschland wird das Virus sicher in den Griff bekommen. Ich befürchte nur, dass der Westen sich daran gewöhnen muss, dass Corona ab jetzt dazugehört.

Bussi Bussi,


D*E*T*L


bali ist... magie!