Post N°4 aus Bali

Pagi Pagi, Babys!(bedeutet norddeutsch übersetzt: Moin Moin)

 

Es ist schwierig, Euch mit all unseren Erlebnissen auf dem Laufenden zu halten, das würde den Rahmen auch total sprengen. Es gibt hier aber so ein paar Vibes, die liebenswert anders sind und an denen wir Euch gerne teilhaben lassen möchten.

 

Zum Beispiel Balis stärkstes Element: Der indische Ozean.

 

Du tolles Meer,
bist nie beleidigt, wenn wir mal einen Tag nicht vorbeischauen und wenn wir Dich den anderen Tag so simpel blöd anstarren und Dich auch noch ständig fotografieren. Es ist auch nicht schlimm für Dich, wenn ausnahmsweise niemand mit Deinen Wellen spielen möchte und wir am Tag darauf dafür reinrotzen vor lauter verschluckter, glucksender, übersprudelnde Freude oder vor Aufregung reinpieseln. Du nimmt uns so, wie wir sind. Nackig, im Bikini, im Trikini, mit Schwimmwindel, in ausgeblichener, löchriger Badeshorts oder in Designermarkenbadeoutfit – völlig egal, ob dick, dünn, blond oder rothaarig, groß, klein, schlechtgelaunt und gutgelaunt. Es interessiert Dich nicht, wer wir sind, was wir machen und warum. Was für ein Boot, was für ein Board, was für ein Schiff, was für ein Tanker, mit welcher Fracht. Du willst uns nicht kennenlernen, wir müssen Dich kennenlernen.
Du bist angenehm gleichgültig ohne gelangweilt oder langweilig zu sein und immer in Bewegung. Jeden Tag ein bisschen mehr oder weniger Drama als gestern, immer mit der beeindruckenden, ernstzunehmenden Tiefe einer fabelhaften Unterwasserwelt und einer unermesslichen Quelle, aus der Du vermutlich deine Energie und Kraft schöpfst.
An der Oberfläche bist Du dafür oftmals herrlich unkompliziert und überschäumend fröhlich. Nicht so geheimnisvoll wie der Wald, nicht so majestätisch wie die Berge, nicht so spiegelglatt wie der See.
Ausgerechnet wir plantschenden Menschen im Meer geben Dir eine gewisse Komik und manchmal, wenn wir nicht aufpassen, spielst Du uns einen Streich und weg ist das Plastikbällchen, verrutscht das neue Triangel Bikinioberteil und die Frisur im Eimer.
Ach ja - und Du bist echt laut, als ob Du uns sagen möchtest, halt endlich mal die Klappe!
Am Meer zu wohnen – das hat was.

 

Balis zweitstärkstes Element: Die Poleposition am Äquator.

 

Durch den während des ganzen Jahres hohen Sonnenstand am Äquator ist die Einstrahlung hoch und nahezu gleich bleibend hier. Die Matahari, das Auge vom Tag, die Sonne auf Indonesisch - das Wetter ist ein Gefühl hier. Es ist immer warm, schön warm, 25 bis 30 Grad. Es ist windig, aber ohne Wind wäre es schlimm heiß. Matahari ist eine treue Seele am indonesischen Himmel. Wenn wir morgens um 5.30 Uhr von den vielen piependen Vögeln geweckt werden, entschuldigt sie sich mit einem saftigen Sonnenaufgang. Ist man ihr zur Mittagsstunde ausgeliefert, strahlt sie dich erbarmungslos an. Und jeden Abend verabschiedet sie sich im großen Panorama von uns und verneigt sich im Blitzlichtgewitter unserer Handykameras.
Über den Regen lässt sich streiten, noch haben wir nur Fake-Monsune erlebt, hat man uns aufgeklärt. Wir fanden den Fake eigentlich schon gewaltig. Der Edel Monsun kommt wohl noch und irgendwie sind wir sehr gespannt darauf, weil jeder hier eine andere Geschichte über die Regenzeit erzählt und die meisten freuen sich sogar drauf.
Dafür haben wir ein Erdbeben hinter uns. Okay, laut den schlauen Longterm Expats war das ein Erdbebchen. Wobei ich Erdbeben lieber nicht verniedlichen sollte.
Mein Löffel im Glas war völlig unnötig. Eine Erdbebenstärke von nur 4.7 spürst Du durch klappernde Fensterläden und wackelnde Fenster und Türen. Erst dachte ich, ach Wind, aber dann bemerkte ich, dass die Geräusche zu regelmäßig waren und im gleichen Takt das Bett wackelte. Ente stand in dem Moment bereits wie versteinert im Garten. Es ging nur ein paar lange Sekunden, kam so plötzlich wie ein Schluckauf und verschwindet genauso einfach so. Die Kinder haben es zum Glück verschlafen. Wir waren erschrocken über das Gefühl, nichts unter Kontrolle zu haben und erstaunt, wie regelmäßig die Vibration war unter den Füßen.
Apropos Füße - Bali ist ein ohne-Socken-Land. Blankgezogene Füße stellen uns Menschen alle auf eine Stufe, den Boden und sie werden zu Fühlern. Sie fühlen zuerst, was unser vom Boden weitentferntes Hirn zuletzt mitbekommt.

 

Ein weiteres und starkes Element hier, ist die Kunst, limited und limitless zugleich zu leben.

Es ist enorm herausfordernd, sich in den balinesischen Verkehr zu begeben, um von A nach B zu fahren, nur um bei B etwas vermeintlich Dringendes zu besorgen. Wir haben es ganze drei Male ausprobiert und unser inneres Gleichgewicht war gone. Einmal haben wir sogar tollkühn versucht, drei Dinge effektiv auf der Strecke A nach B über C zu erledigen. Welch hirnverbrannte Idee. Hier braucht man immer die doppelte Zeit als angegeben. Die eine Hälfte im Stau fahrend, die andere Hälfte im Stau stehend. Beides nicht lustig.
Dieser unmögliche Zustand hat aber den wahnsinnigen Effekt, dass wir notgedrungen reduzieren. Wir fragen uns jetzt immer mindestens 100 Mal, ob wir dieses und jenes
w i r k l i c h brauchen. Sogar die Kinder winken freiwillig müde ab, wenn wir ihnen vorrechnen, wie lange der Weg zu etwas dauert, um sich ihren Wunsch zu erfüllen. Und scheinbar gibt es einen Bali Gott, der verhindert, dass Amazon hierher liefert.

Viele unserer gewohnten Wünsche sind hier kein Maßstab mehr, weil es schlichtweg zu aufwendig wäre, diese Wünsche zu erfüllen.
Wir können immer lässiger ohne Reue zugeben, dass der Aufwand größer als der Wunsch ist. Hat man Bali´s Art of living limited einmal begriffen, nämlich mit dem zurechtzukommen, was man doch alles hat, vermisst man auch nichts mehr. Im Gegenteil. Mangel kann uns frei machen und zwingt uns, uns mehr mit der Gegenwart zu beschäftigen.
Aus der Perspektive der meisten Indonesier allerdings, die im größten Mangel leben, macht Mangel nicht wirklich frei, sie leben aus diesem Grund auch von heute auf morgen. Kein einfaches Leben, aber ein Leben im Jetzt, das unsere volle Aufmerksamkeit gewonnen hat und höchsten Respekt verdient.

Ja und dann - auf der anderen Seite, ist hier trotzdem tagtäglich so viel Unmögliches möglich -
l i m i t l e s s . . . Siehe die Bilder unten.
Fortsetzung folgt.

Winke-Winke, Drück-Drück

D*E*T*L


Alles ist möglich in bali