Post N°11 aus Bali

Hallo Ihr Lieben,

der letzte Teil unserer Auszeit hier hat durch die Pandemie und unserem kleinen Hilfsprojekt eine Tiefe bekommen, mit der wir niemals gerechnet haben. Wir haben aber auch immer gut darauf geachtet, dass wir in der Tiefe noch die Sonne gesehen haben.
Für Euch nun ein kleiner Rückblick auf die vergangenen acht Wochen von jedem einzelnen von uns:

 

Entes Mission: chanceforchange_bali ist mehr als gelungen. Sieben Wochen ist Ente mit dem Roller durch Bali, von Tür zu Tür, immer begleitet von Bali Engel Intan, hin und wieder von mir und von den Kindern. Wir helfen individuell. Zum Teil nur für drei Monate, manche unterstützen wir finanziell bis zu 12 Monate. Je nachdem, was gerade am meisten benötigt wird, geben wir den Familien oder Personen Geld für Lebensmittel, Strom, Handyguthaben, Benzin, Miete, Schulgebühren, Fahrrad- oder Motorradreparaturen, Arztbesuche oder Krankenversicherung. Einer jungen Frau bezahlen wir zum Beispiel auch ein Jahr lang das Gehalt in einem Frauenzentrum, damit sie weiter Geld verdienen kann und die gute Arbeit des sozialen Unternehmens weiter laufen kann.
Zum Dank haben uns die Indonesier immer ein God bless you mit auf den Weg gegeben. Dieses möchten wir Euch allen und besonders den Herzensmenschen unter Euch weitergeben, denen es möglich war, zu spenden. Wir wissen das sehr zu schätzen!

Für diejenigen, die mehr wissen wollen: Zum Link des Artikels in der Süddeutschen Zeitung geht es, wenn Ihr auf das Foto der Zeitung links unten klickt und auf dem grünen Bild rechts stehen die aktuellen Daten und Fakten zu unserem kleinen Hilfsprojekt.

 

Für Wayan Ti war der Lockdown nicht cool. Wenn der Strand geschlossen hat, fällt Balis maßgeblichster Spielplatz der Kinder weg. Motocrossen haben wir während des Lockdowns verboten, weil die Gefahr einer Verletzung zu groß war und Homeschooling sucks. Seine Playstation hat ihn und uns gerettet, mit seinem Surfboard hat er irgendwann angefangen, Selbstgespräche zu führen und er baute sich einen Motocross Track aus Sand.
Über die Besuche bei bedürftige Familien hat Wayan Ti auch die andere Seite von Bali kennengelernt, darunter einen Teenager, der ihm ein wenig Bali-Slang beigebracht hat und Wayan Ti ihm ein paar Wörter Deutsch.

Wayan Ti entdeckte als erster, dass die Strände seit Anfang Juni wieder geöffnet haben und führte uns nächtens zum Eingang, siehe unten. Surfen und Motocross geht nun auch wieder und gleich bei einer seiner ersten Motocross Trainingseinheit raste er mit Karacho in eine recht schleimige Grube. Zum Glück waren seine Schutzengel hell wach und sehr aufmerksam, so dass er nur mit dem Schrecken davonkam. Halt ohne Motorrad.

...und egal, wie fies sich Wayan Ti und Made Le gestritten haben, er hat immer wieder und irgendwie für Peace gesorgt.

 

Am Ende des Homeschooling-ling, führte Wayn Ti Klasse Romeo und Julia online auf Zoom auf. Für uns Eltern aus dem 19.Jahrhundert technisch eine großartige Leistung. Jeder Schüler spielte seine Rolle von zuhause am Bildschirm. Die Kunst bestand darin, sich und das Mikro zur richtigen Szene einzuschalten und nicht gerade in dem Moment in der Nase zu bohren. Es gab echt kaum Pannen.
Seit vergangenen Freitag ist das Schuljahr hier in Bali zu Ende. Die Schule ermöglichte ein Picknick im Schulgarten und wir sind sehr dankbar, alle nochmal in live gesehen zu haben und uns von manchen bereits verabschieden zu können. Wayan Ti hatte Glück. Es war eine tolle Klasse mit Klasse-Kids.
Während Ente und ich wehmütig seufzen, dass diese Zeit jetzt bald wirklich zu Ende ist, ist Wayan Ti zuversichtlich, dass er eh irgendwann wieder nach Bali zurückkehrt.
Dream big : )

 

Made Les Sternzeichen ist Zwilling. Die Pandemie hat das bestätigt. Sie hat 1000 Gesichter. Viele davon kennen wir noch gar nicht. Sie hilft sehr gerne, das hat sie von Ente. Ihre Katze Femi scheint sie Einhundertprozent zu verstehen. Danke Femi! Neulich ist Made Le erst 12 geworden. Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob wir ein paar Mal ihren Geburtstag vergessen haben?!

Made Les Lieblingsfach war Creative Writing Workshop, richtig genervt war sie an den Tagen, wo sie naturwissenschaftliche Experimente machen sollte. Ich auch. Denn ich musste ihr manchmal dabei helfen - und irgendwie hatten wir ständig mindestens einen Gedankenfehler oder etwas übersehen oder falsch verstanden und das Experiment - blieb ein Experiment.
Sehr überflüssig fand Made Le auch die wöchentliche Stunde Online Yoga, bei der sie sich mehr verkrampfte als entspannte.
Aber ihr Brettspiel Oh Corona! ist fertig geworden.
Made Le hilft es, kreativ zu sein. Ihren Zorn drückt sie in viele tolle Bilder aus. Kreativität statt Krise - manchmal aber auch einfach nur Krise und dann war sie plötzlich wieder ein 12 jähriges, trotziges Mädchen auf dem Boden.

...und wenn Ente, Wayan Ti und ich eine Krise hatten, hat sie uns das Leben versüßt. Am besten haben mir ihre Macarons links in der Mitte gefallen, nach mehreren Anläufen waren sie perfekt unperfekt.

...und sie war streng. Am Ende der Woche präsentierte sie uns ihren persönlichen Familien Hero der Woche. Das war meistens Femi und nie ihr Bruder : ) Sogar der Straßenkater wurde immer mitbewertet, einmal stand er im Ranking ganz unten in der Pyramide, weil er Ente ziemlich stark gebissen hatte.

Surfen bringt Made ins Gleichgewicht. Sie wird das sehr vermissen und genießt es jetzt umso mehr.

Auch Made Les Auslandsschuljahr ist zu Ende. Das sie daran gewachsen ist, sieht man an den Klassenfotos, auf dem leider nur die Hälfte der Klasse zu sehen ist, da einige Bali verlassen haben.

Sie wird vielen fehlen, der Schuldirektorin oben links, ihrer Klassenlehrerin mit Hut, die einfach mal alle doll umarmt und ihren wenigen aber guten, neuen, internationalen Freundinnen.

Es ist jedoch kein Geheimnis, dass die Freude auf ihre Mädels in Deutschland riesig ist.
Wie es mir so ging, habt ihr oben vielleicht etwas rauslesen können. Ansonsten möchte ich für die restliche Zeit hier gerne einfach - sein - und den Zirkus in meinem Kopp bring ich weiter aufs Papier ...
So, das war wieder lang.
Bleibt lebendig und auf bald in live...je nachdem, wie lange uns Bali noch unbefristeten, kostenfreien Aufenthalt gewährt, kommen wir, wie geplant, spätestens Ende August wieder,
D*E*T*L

Pandemie Atmo in Bali