Post N°7 aus Bali

Selamat Pagi (=Guten Morgen),

 

ich wache wie jeden Morgen doppelseitig klebend unter unserem Moskitonetz auf, sehe dem rotierenden Decken Ventilator eine Weile zu, frage mich, was dieser Tag wohl  mit sich bringt, schaue dann durch die halb offenen Jalousien am Fenster raus und stelle fest, dass es wieder ein sehr heißer Tag werden wird.
Doch irgendetwas fühlt sich heute anders an.

 

Wir haben beschlossen, unsere Zeit hier in Bali nicht zu verlängern und wie geplant, in diesem Sommer nach Deutschland zurückzukehren. Aufgrund der Visa Richtlinien mussten wir uns bereits im Dezember entscheiden, ob wir noch länger hierbleiben oder nicht.

 

So. Bin ich mit diesem Entschluss etwa gedanklich bereits auf Rückzug? Irgendetwas in mir ist zu. Warum? Aus Schutz? Aus Angst? Aus Vernunft?
Und bin ich deshalb schlecht gelaunt?
Ich war viel leichter, als noch alles offen war.
Ente gestand mir nächtens dieselben Gefühle.

 

Ohne Zweifel, es gab ihn, diesen einen Moment der Vernunft, an dem wir beide glasklar sahen, dass eine Verlängerung für die Kinder nicht richtig wäre.
Doch was ist mit Ente und mir? Wir können Bali jetzt und lieben das perfekte Chaos hier, das uns erlaubt, nicht mehr sein zu müssen, als wir sind. Wir hätten Lust zu bleiben.

 

Was wäre, wenn wir einfach doch bleiben würden und uns die Welt so machen, wie sie uns gefällt?!
Wir würden ziemlich sicher irgendwann so aussehen wie Winnetou und Old Shatterhand. Wir würden unsere elektronische Kokosnuss gegen zwei safe und sexy Yamaha NMAX Maschinen in einem schwarzen Matt austauschen, offiziell Gäste durch die Bad Side von Bali reiten, weil Paradise kann jeder, auf Brüderschaft und Vetternwirtschaft mit den Einheimischen trinken, nach jedem Ritt mit den Gästen aus aller Welt, uns ein Feedback auf den Körper tätowieren und uns ein kleines Bintang Salär auszahlen lassen, für ein simples Bambusdach über dem Kopf, eine flexitarier Schüssel Reis, eine Balinesian Massage to go und statt Trinkgeld würden wir freundlich um eine Spende zugunsten eines Benefizkonzert für Mutter Erde bitten.

 

Doch statt gutherzige Bali Cowboys im Spiel, werden wir in Echt zurückkehren als Ente und Dian. Wie sehen diese Rollen aus, nach dem einen Jahr hier?
Können wir das, was wir hier lieben, in Deutschland leben?

 

Fakt ist lediglich ein vielleicht. Vielleicht ist es der richtige Zeitpunkt für genau dieses eine Jahr, vielleicht ist es aber nicht der richtige Zeitpunkt, um zu bleiben. Vielleicht ist es besser so, vielleicht soll es so sein, vielleicht kommen wir zu einem späteren Zeitpunkt tatsächlich wieder hierher. Vielleicht.

 

Inzwischen stehe ich vor dem Fenster und ziehe die Jalousien hoch. Dabei sehe ich dem Sonnenaufgang zu. Dieser spezielle Sonnenaufgang mit Fehlern, nicht perfekt, nie kitschig, tropisch, matt, diesig mit Regenzeittypischen Quellwolken, die sich in einen Monstermonsun verwandeln können. Aktuell weiß Jakarta leider, wovon ich spreche.

 

Etwas Dreckiges liegt auch heute wieder in der Luft. Kein eitler Sonnenschein, sondern ein Sonnenaufgang, der dir klar macht, dass nichts selbstverständlich ist und dass man manchmal, wenn die Sonne nicht scheint, selber strahlen muss.
Einen Augenblick schenke ich noch den hübschen Palmen, bevor ich beschließe ab jetzt, jeden Moment der nächsten acht Monate, noch bewusster zu erleben und bin einfach mal dankbar für die vergangenen sechs fabelhaften Monate hier.

Hati-Hati(=take care)


D*E*T*L


wundertüte bali