Post N°3 aus Bali

Das Wichtigste vorab: WE MISS U ALL!!!

Wir sind seit 2 Wochen in Canggu, im Südwesten von Bali. Die Schule hat begonnen und so herrlich schlimm-schön es hier in Canggu ist, wir fremdeln alle noch sehr hier im balinesischen Alltag. Obwohl Dreiviertel der Familie sogar äußerlich, indonesisch-camouflage getarnt ist, fühlen wir uns bereits an unserem Hausstrand enttarnt. Ich frage mich die ganze Zeit, woran das liegt? Wir sind doch schon 6 Wochen hier! Okay die letzten vier Wochen waren Urlaub, das kann jeder. Liegt es am fehlenden Surfbrett unter dem Arm? Sind das alles Touristen hier, oder sind die auch alle für ein ganzes Jahr hier, oder etwa für immer?! Für immer Surfbrett unter dem Arm?! Echt jetzt, wie geht das?! Ganz ehrlich, kann ich mir gerade noch überhaupt nicht vorstellen.

 

Links neben uns ein Haufen ausgebrannter äh ich meinte braungebrannter alte Säcke aus Frankreich, die Shisha rauchen und richtig gut drauf sind, rechts neben uns eine Ansammlung an Expatriats aus aller Welt mit Anhang. Habe ich diese eine schrecklich nette Familie nicht neulich auch in diesem verflucht teuren Supermarkt gesehen?! Ach da sind sie ja die Indonesier, hinter der Theke und vor uns eine Menge verdammt hotte Surfer, born to surf, beneidenswert.

 

Ich habe mir das ja mal genauer angeschaut mit dem Surfen und ein paar wenige Schwierigkeiten entdeckt. Zum einen, sind die Anfängerwellen hier in Canggu ziemlich weit draußen. Gefühlt bist du da im Open-Water!
So und dann passiert etwas Dummes und Du sagst Dir plötzlich mutig: Angst ist ein schlechter Begleiter und Du schaffst es, mit dem Brett vor dem Kopf und am Fuß bis zum Anfängerbereich zu paddeln, den Du vom Strand aus nur mit dem Fernglas erahnst - nur, um dann dort zur Belohnung zu warten bis die Monsterwelle für Anfänger direkt hinter Dir ist, um dann, so schnell wie ganz sicher unmöglich, zu schwimmen, wie ein Krieger auf das Board zu springen, aufzustehen und das Gleichgewicht zu halten?!
Meine lieben Kinderleins und liebster Ente, ihr müsst nicht surfen, klemmt Euch ein Buch unter die Arme, sieht intellektuell aus - Ich befürchte, sie werden es ausprobieren wollen…

 

Noch sitzen alle brav neben mir, sie haben zumindest diesen irre souveränen, leicht abwesenden Beachblick schon drauf. Alle außer mir. Entspann Dein Gesicht Dian, denke ich, als auf einmal irgendjemand den Himmel mit einem geschmeidigen Sunset Filter überzieht. Wunderschön, anders, fernöstlich. Hier auf Bali muss es den Godfather of Sunset Gods geben.

 

Hallo Canggu, Du rosarotes Chamäleon, schön, dass wir hier sind.

 

Meistens bleiben wir bis das Flutlicht vom Schickimicki Beachclub eingeschaltet wird und die Wellen phosphorizierend leuchten. Dann rollern wir vom Beachparkplatz an der großen Müllhalde vor den großen Luxusvillen vorbei, direkt in den verstopften Verkehr, der auch an diesem Abend wie Tetris ist.
Es gibt nicht viele Regeln, hier fährt man nach Gefühl. Wenn Du zögerst, hast Du verloren, zu schnell fahren bringt meistens nichts. Wenn gar nichts mehr geht, steht ein Balinese in Tracht angelehnt an seinem Moped und winkt mit der indonesischen Fahne den Verkehr durch.
Egal wie voll die Straßen sind, keiner flippt aus, jeder versucht einfach seinen Weg zu finden mit Rücksicht auf den anderen und jeder weiß, dass der Kessel brodelt und es zwar einen Grund gibt, aber keinen Sinn macht, aggressiv zu werden. Es gibt kein Entkommen, auch nicht für uns Westler.

 

Angekommen in unserer Oase, ist es jedes Mal wie ein Geschenk. Wir freuen uns immer sehr, wenn wir die Tür aufmachen und wieder hinter uns schließen. Nach vier Wochen open-living auf einer Art niemals schlafenden Arche-Noah in der Bloo Lagoon, genießen wir in unserem neuen Nest die wenigen fleißigen Ameisen, das deutlich fortgeschrittenere Niveau an Vogelgezwitscher, entspanntere Hühner, intelligente Katzen, die zum Glück von alleine wieder nach Hause finden, kleinere Geckos, Warmwasser Dusche, geschlossene Toilette, richtige Türen und Fenster zum Öffnen aber noch viel wichtiger, auch zum Schließen.
Da poppt heimlich schonmal die Frage auf, wieviel von unserem westlichen Leben können wir überhaupt generell hier ablegen?! Wollen wir das?! Müssen wir das?! Sollten wir das?!
Wir wollen das – eigentlich, weil wir den westlichen Weg im Schlaf beherrschen. Aber wir merken, wie schwierig es ist, sich nicht gleich wieder einfach den vielen Westlern hier anzuschließen und mit viel Geld alles zu regeln. Einige Basics müssen stimmen, alleine aus Verantwortung gegenüber den Kindern. Schule, Unterkunft zum Beispiel. Ente sei Dank, dass wir uns diese Basics leisten können. Jedoch ist das der einfache Teil des Abenteuers und wir sind noch extrem weit vom eigentlichen Indonesien entfernt. Täglich staunen wir, lernen, zustimmend, kopfschüttelnd, runzeln die Stirn, sind schockiert, entzückt, sprachlos, halten uns die Ohren und manchmal auch die Nase zu, kneifen die Augen zusammen und reißen sie in der nächsten Sekunde wieder weit auf… Wir Schlaubis, aus unserem Superleben in Deutschland, haben keine Ahnung von alledem hier.

 

Nur eines haben wir bereits jetzt begriffen: Wir müssen ein paar unserer westlichen Lebensgewohnheiten weglassen, um dieses Land lieben zu können. Die Kunst, das Deutsche in Dir loszulassen und die richtige Dosis zu finden, scheint eine der wesentlichen Aufgaben für uns hier zu sein.
Der Indonesier ist dankbar für alles, weil er weiß, wie nah er jeden Tag an der Katastrophe lebt. Wenn wir wenigstens versuchen, mit ihnen ihren Weg zu gehen, werden wir verstehen, wie dankbar man sein kann, für die doch vielen unendlichen Kleinigkeiten hier.

 

Für´s Erste machen wir kleine Schritte, in dem wir die uns bekannten wenigen Locals stalken, wie unsere Haushaltshilfe Ibu Endang, einen halben Meter kleiner als ich. Meine persönliche Superwoman, da sie mir große Teile des Haushalts abnimmt und uns zeigt, wo die Einheimischen einkaufen und wo es Dies und Das günstiger gibt.
Ibu Ayu, die uns das Haus vermittelt hat und für die Kinder der Hero ist, da sie das WiFi zum Laufen gebracht hat. Sie ist noch blutjung und verrät uns hoffentlich noch die Secret Beaches und Warungs (Restaurants) für Einheimische.
Pak Kadek, unser Fahrer aus der Bloo Lagoon, der uns seit Beginn unserer Story kennt und seine Frau, die uns mit viel Frucht-Frucht (in Indonesien gibt es keinen Plural, man sagt das Wort einfach zweimal) versorgt hatte. Wir haben die beiden zu uns ins Haus eingeladen, um Kontakt zu behalten, Ibu Kadek bringt sicher wieder viel Banane-Banane mit.
Ibu Wiwik und die Familie unseres kleinen Supermarkts um die Ecke, der 24 Stunden geöffnet hat und wirklich fast alles verkauft.
Entes Bier-Bintang Kontakte vom Markt mit denen er lukrative Deals macht.
Kevin, ein hochgewachsener, sehr moderner Batak (Nord Sumatra), der Besitzer unseres neuen Lieblingsaufenthaltsraums mit Billiard, Happy Wine Hour und demnächst auch Bundesliga und Made Le und ich gehen ab jetzt regelmäßig zu einer Masseusin unseres Vertrauens, fußläufig, günstig, die sich freut, dass ich Indonesisch kann und Wayan T hat endlich einen Friseur gefunden, der seine Haare versteht. Von Asiaten für Asiaten. Das kleine bisschen ist immerhin ein Anfang.
Auch von neuen Freunden sind wir noch sehr weit entfernt. Aber wir haben Begegnungen, die wir gerne wieder treffen möchten. Naja und durch die Kinder werden wir auch neue Freundschaften knüpfen, ob wir wollen oder nicht.
Dies ist nur ein Querschnitt von dem, was wir denken und fühlen. Ihr seht, unser Abenteuer beginnt gerade und es ist unglaublich schön zu sehen, dass der Plan aufzugehen scheint, ganz anders als gedacht aber bereits jetzt schon unvergesslich und prägend für uns alle.
Viel Spaß mit den Bildern, lasst es Euch gutgehen und passt auf Euch auf!
Fortsetzung folgt,

Umarmung-Umarmung,
D*E*T*L


cANGGU life